Akademie · Lebensphasen
Wie viel Bewegung braucht ein Welpe?
Welpen brauchen Bewegung, aber keine starren Minutenregeln. Entscheidend sind altersgerechte Bewegungsreize, eine sichere Umgebung und eine aufmerksame Begleitung.
Wie viel Bewegung ist für einen Welpen gesund? Und ab wann wird Bewegung zur Überlastung? Viele Hundebesitzer orientieren sich an der sogenannten 5-Minuten-Regel. Doch die Entwicklung des Bewegungsapparates lässt sich nicht anhand einer festen Minutenzahl beurteilen. Viel wichtiger sind die Art und Intensität der Bewegung, die individuellen Voraussetzungen des Welpen und ausreichende Erholungsphasen. Erfahren Sie, was die Forschung über Bewegung im Wachstum zeigt, welche Aktivitäten sinnvoll sind und woran Sie erkennen können, wann Ihr Welpe eine Pause braucht.
Wie viel und welche Bewegung?
Wie viel Bewegung ein Welpe braucht, lässt sich nicht pauschal in Minuten pro Lebensmonat ausdrücken. Für die verbreitete 5-Minuten-Regel gibt es keine ausreichend belastbare wissenschaftliche Grundlage. Entscheidend sind vielmehr die Art, Intensität und Häufigkeit der Bewegung sowie das Alter, die körperliche Entwicklung und die individuellen Voraussetzungen des Welpen.
Freies Erkunden, Spielen und selbstbestimmte Bewegung auf unterschiedlichen, sicheren Untergründen bieten vielfältige Bewegungsreize. Gleichzeitig benötigt ein Welpe ausreichend Ruhe und Schlaf. Bei wiederholten, körperlich anspruchsvollen Belastungen wie langen erzwungenen Spaziergängen, intensivem Ballwerfen oder häufigem Treppensteigen ist dagegen Zurückhaltung sinnvoll.
Auf einen Blick:
- Sinnvoll: Freies Erkunden, altersgerechtes Spielen und abwechslungsreiche, sichere Untergründe
- Bewegung im Alltag: Treppensteigen gehört zur normalen Bewegung eines Hundes. Entscheidend sind die individuellen Voraussetzungen, eine sichere Umgebung und ein angemessenes Mass.
- Erholung: Ausreichend Ruhe und Schlaf zwischen den Aktivitätsphasen
- Frühe Beobachtung: Eine kinematische Ganganalyse mit LupoGait Puppy ist ab etwa der 8. Lebenswoche möglich
Im Detail
Gibt es eine Regel, wie lange ein Welpe laufen darf?
Häufig wird empfohlen, einen Welpen pro Lebensmonat nur fünf Minuten am Stück spazieren zu führen. Für diese pauschale Regel gibt es jedoch keine ausreichend belastbare wissenschaftliche Grundlage. Sie berücksichtigt weder die Rasse noch die körperliche Entwicklung, die Bewegungsintensität oder das individuelle Verhalten des Welpen. Entscheidend ist deshalb nicht allein die Dauer, sondern die Art der Bewegung. Ein Welpe, der selbstbestimmt seine Umgebung erkundet, bewegt sich anders als ein Welpe, der über längere Zeit an der Leine ein vorgegebenes Tempo einhalten muss. Bewegung sollte altersgerecht, abwechslungsreich und an den jeweiligen Hund angepasst sein.
Mit diesen Fragen beschäftigt sich auch Dr. med. vet. Patrick Blättler Monnier in LupoMove Puppy. Das Buch erläutert die Entwicklung des Bewegungsapparates und ordnet verbreitete Empfehlungen zur Bewegung von Welpen aus veterinärmedizinischer Sicht ein.
Was sagt die Forschung zu Bewegung und Gelenken im Wachstum?
In einer norwegischen Langzeitstudie untersuchten Krontveit et al. (2012) den Zusammenhang zwischen Haltungsbedingungen, Bewegung und der Entwicklung einer Hüftdysplasie bei 501 Hunden vier grosser Rassen. Dabei zeigte sich, dass tägliches Treppensteigen in den ersten drei Lebensmonaten mit einem erhöhten Risiko für eine später radiologisch festgestellte Hüftdysplasie verbunden war. Freie Bewegung im Gelände war dagegen mit einem geringeren Risiko assoziiert. Ein wichtiger Aspekt blieb dabei offen: WIE die Welpen die Treppen bewältigten. Die Studie erlaubt KEINE differenzierte Aussage darüber, ob die Tiere langsam und kontrolliert oder schnell und unkontrolliert liefen, ob sie begleitet wurden und welchen konkreten Belastungen sie dabei ausgesetzt waren. Die Autoren empfahlen auf Grundlage ihrer Ergebnisse, Treppensteigen in den ersten drei Lebensmonaten zu vermeiden. Da es sich jedoch um eine Beobachtungsstudie handelt, lässt sich daraus kein ursächlicher Zusammenhang und auch kein allgemeines Treppenverbot ableiten. Für die Praxis bedeutet das: Nicht jede Bewegung ist gleich. Statt Welpen pauschal von alltäglichen Bewegungsanforderungen fernzuhalten, sollte ihre Bewegung altersgerecht gestaltet und aufmerksam begleitet werden. Beim Treppensteigen bedeutet dies beispielsweise, auf ein ruhiges Tempo, sicheren Halt und kontrollierte Bewegungsabläufe zu achten.
Woran merke ich, dass es meinem Welpen zu viel wird?
Welpen können ihre Belastungsgrenzen noch nicht immer zuverlässig einschätzen. Deshalb ist es wichtig, ihr Bewegungsverhalten aufmerksam zu beobachten. Hinweise darauf, dass ein Welpe eine Pause benötigt, können sein:
- Er bleibt zurück, setzt sich wiederholt hin oder legt sich während eines Spaziergangs ab.
- Seine Bewegungen wirken zunehmend unkoordiniert oder unsicher.
- Er verliert das Interesse an der Aktivität oder möchte nicht weiterlaufen.
- Er wirkt ungewöhnlich erschöpft oder findet nach intensiver Aktivität nur schwer zur Ruhe.
- Er zeigt nach der Bewegung Steifheit oder eine auffällige Veränderung seines Gangbildes.
Einzelne dieser Verhaltensweisen können unterschiedliche Ursachen haben und sind kein sicherer Hinweis auf Überlastung. Eine anhaltende Lahmheit, deutliche Schmerzen oder wiederkehrende Bewegungsauffälligkeiten sollten tierärztlich untersucht werden.
Was kann eine frühe Ganganalyse beim Welpen zeigen?
Während des Wachstums verändern sich die Bewegungsabläufe eines Welpen kontinuierlich. Dabei können sich Unterschiede zwischen einzelnen Hunden oder Veränderungen im zeitlichen Verlauf zeigen, die mit blossem Auge nicht immer zuverlässig erkennbar sind. Mit LupoGait Puppy lassen sich kinematische Bewegungsparameter bereits ab etwa der 8. Lebenswoche erfassen. Dazu gehören beispielsweise zeitliche Gangparameter und Asymmetrien zwischen den Gliedmassen. In einer longitudinalen Untersuchung von Blättler et al. (2024) zeigten Hunde, bei denen später eine Hüftdysplasie festgestellt wurde, während des Wachstums eine höhere Variabilität bestimmter Bewegungsparameter. Die Ergebnisse liefern Hinweise darauf, dass objektive Bewegungsdaten für die Erforschung früher Veränderungen des Gangbildes relevant sein könnten. Eine Ganganalyse ersetzt jedoch weder die orthopädische Untersuchung noch die bildgebende Diagnostik. Auch lässt sich aus einer einzelnen Messung derzeit nicht zuverlässig vorhersagen, ob ein Welpe später eine Hüftdysplasie entwickelt.
Wo kann ich mehr dazu lesen?
Wie entwickelt sich der Bewegungsapparat eines Welpen? Welche Rolle spielen Bewegung, Wachstum und individuelle Voraussetzungen? Und warum sind pauschale Bewegungsempfehlungen häufig zu kurz gegriffen?
Mit diesen Fragen beschäftigt sich Dr. med. vet. Patrick Blättler Monnier in seinem Buch LupoMove Puppy: Wie viel Bewegung braucht der Welpe? Das Buch verbindet veterinärmedizinische Grundlagen mit praxisnahen Empfehlungen zur gesunden Bewegungsentwicklung junger Hunde.
Die Reihe wird Q4 2026 durch einen zweiten Teil (LupoMove Puppy II) zu den theoretischen Grundlagen und zur praktischen Begleitung von Welpen im Wachstum ergänzt.
Quellen
- Krontveit RI, Nødtvedt A, Sævik BK, Ropstad E, Trangerud C (2012): Housing- and exercise-related risk factors associated with the development of hip dysplasia as determined by radiographic evaluation in a prospective cohort of Newfoundlands, Labrador Retrievers, Leonbergers, and Irish Wolfhounds in Norway. American Journal of Veterinary Research 73(6):838-846.
- Blättler P, Altermatt M, Röhrich M, Grütter N (2024): Veterinary and Animal Science 25:100385. doi:10.1016/j.vas.2024.100385
Häufige Fragen
Ja, Treppensteigen ist für Welpen nicht grundsätzlich verboten. Entscheidend ist, wie die Bewegung ausgeführt wird. Welpen sollten Treppen möglichst ruhig, kontrolliert und auf rutschfestem Untergrund bewältigen. Eine Studie von Krontveit et al. (2012) fand zwar einen Zusammenhang zwischen täglichem Treppensteigen in den ersten drei Lebensmonaten und einem erhöhten Hüftdysplasierisiko. Sie untersuchte jedoch NICHT ausreichend differenziert, WIE die Welpen die Treppen bewältigten. Deshalb lässt sich daraus KEINE Aussage über das Risiko einzelner, kontrolliert ausgeführter Treppenpassagen ableiten.
Mit LupoGait Puppy sind kinematische Ganganalysen bereits ab etwa der 8. Lebenswoche möglich. Dabei werden Bewegungsparameter erfasst, die sich über mehrere Messzeitpunkte vergleichen lassen. Die Untersuchung kann zusätzliche Informationen zur Bewegungsentwicklung liefern, ersetzt jedoch keine tierärztliche Untersuchung und ermöglicht allein keine sichere Vorhersage späterer Gelenkerkrankungen.
Für regelmässiges Joggen oder Laufen am Fahrrad sollte ein Hund ausreichend körperlich entwickelt sein. Wann das der Fall ist, hängt unter anderem von Rasse, Grösse, individuellem Wachstum und Gesundheitszustand ab. Besonders bei grossen und spät entwickelnden Rassen kann die körperliche Reifung länger dauern. Erzwungene, gleichförmige Dauerbelastungen sollten während des Wachstums vermieden werden. Der geeignete Zeitpunkt lässt sich am besten individuell mit einer Tierärztin oder einem Tierarzt beurteilen.
Nein. Für die verbreitete Empfehlung, einen Welpen pro Lebensmonat nur fünf Minuten spazieren zu führen, gibt es keine ausreichend belastbare wissenschaftliche Grundlage. Wie viel Bewegung sinnvoll ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter Alter, Rasse, körperliche Entwicklung und Bewegungsintensität. Entscheidend ist eine altersgerechte Mischung aus freier Bewegung, Erkundung und ausreichenden Ruhephasen.
Bewegungsentwicklung verstehen. Veränderungen frühzeitig erkennen.
Die Bewegungsentwicklung eines Welpen ist individuell und verändert sich während des Wachstums kontinuierlich. Eine objektive Ganganalyse mit LupoGait Puppy kann helfen, Bewegungsparameter zu dokumentieren und ihre Entwicklung über mehrere Messzeitpunkte nachzuvollziehen. So können Tierärztinnen, Tierärzte und Fachpersonen zusätzliche Informationen über das Gangbild junger Hunde gewinnen.