Objektive Ganganalyse in der Tierarztpraxis

Die klinische Gangbildbeurteilung gehört zum orthopädischen Alltag. Doch geringe Asymmetrien, beidseitige Veränderungen oder schleichende Entwicklungen lassen sich visuell nicht immer eindeutig erfassen. Eine sensorbasierte Ganganalyse ergänzt die klinische Untersuchung um quantitative Bewegungsparameter. Mit LupoGait können Tierärztinnen und Tierärzte das Gangbild eines Hundes unter praxisnahen Bedingungen dokumentieren, Veränderungen über mehrere Messzeitpunkte vergleichen und die Ergebnisse in ihre diagnostische Beurteilung einbeziehen. Das mobile System lässt sich sowohl in der allgemeinen Tierarztpraxis als auch in spezialisierten orthopädischen, neurologischen und rehabilitativen Einrichtungen einsetzen.

Warum objektive Ganganalyse in der Tierarztpraxis?

Die visuelle Beurteilung des Gangbildes ist ein wichtiger Bestandteil der orthopädischen Untersuchung. Ihre Aussagekraft kann jedoch durch die Erfahrung der untersuchenden Person, die Geschwindigkeit des Hundes und die Ausprägung der Bewegungsabweichung beeinflusst werden. Eine objektive Ganganalyse ergänzt diese Beobachtungen um messbare Parameter. Mit dem inertialen Sensorsystem LupoGait werden Bewegungsdaten während des Gehens oder Trabens erfasst und softwaregestützt ausgewertet. Die Analyse ermöglicht es, ausgewählte zeitliche und kinematische Parameter der Gliedmassen zu beurteilen. Besonders relevant ist die Möglichkeit, Messungen zu unterschiedlichen Zeitpunkten miteinander zu vergleichen. So lassen sich funktionelle Veränderungen beispielsweise während einer Rehabilitation oder bei chronischen orthopädischen Erkrankungen dokumentieren.

Auf einen Blick:

  • Messprinzip: Inertiale Bewegungssensoren (IMU)
  • Systemvarianten: 6 oder 12 Sensoren
  • Messumgebung: Mobil, innerhalb oder ausserhalb der Praxis
  • Empfohlene Messstrecke: Etwa 20 Meter gerade Strecke für standardisierte Messungen. Ergänzend sind Volten, Kreisbewegungen und Achterfiguren möglich, beispielsweise zur Beurteilung von Bewegungsveränderungen bei Wendungen.
  • Zeitbedarf: Standardmessung inklusive Vorbereitung typischerweise unter 10 Minuten bei routinierter Durchführung
  • Messprotokoll: Standardisierte Bewegungssequenzen, beispielsweise im Trab
  • Auswertung: Zeitliche und kinematische Bewegungsparameter
  • Dokumentation: Digitale Auswertung, Verlauf und PDF-Bericht
  • Anwendung: Orthopädie, Neurologie, Rehabilitation und Bewegungsmonitoring

Häufige Fragen

Kann eine objektive Ganganalyse eine Lahmheit erkennen, die klinisch kaum sichtbar ist?

Eine sensorbasierte Ganganalyse kann geringgradige Bewegungsasymmetrien und Veränderungen einzelner Gangparameter erfassen, die bei der visuellen Beurteilung nicht immer eindeutig erkennbar sind. Nicht jede messbare Asymmetrie bedeutet automatisch, dass eine klinisch relevante Lahmheit vorliegt. Die Ergebnisse müssen deshalb im Zusammenhang mit der orthopädischen oder neurologischen Untersuchung interpretiert werden.

Welche Vorteile bietet eine Ganganalyse gegenüber der rein visuellen Gangbildbeurteilung?

Die visuelle Gangbildbeurteilung ist ein wesentlicher Bestandteil der klinischen Untersuchung. Eine objektive Ganganalyse ergänzt sie um quantitative Bewegungsparameter, die dokumentiert und über mehrere Messzeitpunkte verglichen werden können. Dies ist insbesondere bei geringgradigen Veränderungen, chronischen Erkrankungen und während der Rehabilitation hilfreich.

Braucht eine Tierarztpraxis einen eigenen Raum für die Ganganalyse?

Nein. LupoGait ist ein mobiles Sensorsystem und benötigt keine fest installierte Messplattform. Für standardisierte Messungen wird eine möglichst gerade Strecke von etwa 20 Metern empfohlen. Diese kann sich innerhalb oder ausserhalb der Praxis befinden. Je nach klinischer Fragestellung können ergänzende Bewegungsaufgaben wie Volten, Wendungen oder Achterfiguren durchgeführt werden, um Veränderungen des Bewegungsmusters unter unterschiedlichen Bewegungsbedingungen zu beurteilen.

Können tiermedizinische Praxisassistenzen die Messung durchführen?

Nach entsprechender Schulung können Mitarbeitende die technische Durchführung der Messung übernehmen, sofern die jeweiligen rechtlichen und betrieblichen Voraussetzungen erfüllt sind. Wichtig sind die korrekte Sensorplatzierung und ein standardisiertes Messprotokoll. Die medizinische Interpretation der Ergebnisse erfolgt durch die verantwortliche Tierärztin oder den verantwortlichen Tierarzt.

Was ist der Unterschied zwischen LupoGait mit 6 und 12 Sensoren?

Das 6-Sensoren-System ermöglicht die Erfassung ausgewählter zeitlicher und kinematischer Gangparameter sowie die Dokumentation von Bewegungsasymmetrien. Die 12-Sensoren-Variante erweitert die Analyse um zusätzliche Körpersegmente und Gelenkregionen. Dazu gehören insbesondere die Bewegungen im Bereich von Schulter, Ellbogen, Hüfte und Knie sowie zusätzliche Informationen über Bewegungsmuster der Wirbelsäulenregion. Die erweiterte Sensorkonfiguration kann damit auch bei orthopädischen und neurologischen Fragestellungen, beispielsweise im Zusammenhang mit der lumbosakralen Region, von Interesse sein. Welche Systemvariante geeignet ist, hängt von den klinischen Fragestellungen und dem gewünschten Analyseumfang ab.

Wie lässt sich die Ganganalyse zur Verlaufskontrolle einsetzen?

Durch wiederholte Messungen lassen sich ausgewählte Bewegungsparameter über einen längeren Zeitraum vergleichen. Dies kann beispielsweise nach orthopädischen Operationen, während einer Rehabilitation oder bei chronischen Erkrankungen sinnvoll sein. Für eine möglichst zuverlässige Vergleichbarkeit sollten Gangart, Geschwindigkeit, Untergrund und Messprotokoll weitgehend übereinstimmen.

Wie aufwendig ist die Einarbeitung in LupoGait?

LupoGait ist für den Einsatz im klinischen Alltag konzipiert. Im Rahmen der Einführung werden die korrekte Sensorplatzierung, die Durchführung standardisierter Messungen sowie die Auswertung und Interpretation der Bewegungsparameter vermittelt. Der tatsächliche Einarbeitungsaufwand hängt von der Erfahrung des Praxisteams und dem gewünschten Anwendungsumfang ab.