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Arthrose beim Hund: Anzeichen, Verlauf und Behandlung
Arthrose entwickelt sich häufig schleichend – und erste Veränderungen zeigen sich nicht immer als deutliche Lahmheit.
Arthrose beim Hund ist eine chronische Gelenkerkrankung, die mit Veränderungen des Gelenkknorpels, der Knochen und weiterer Gelenkstrukturen einhergeht. Sie kann Schmerzen verursachen und die Beweglichkeit sowie Lebensqualität beeinträchtigen. Oft entwickelt sich die Erkrankung über einen längeren Zeitraum, während erste Anzeichen wie Steifheit oder verändertes Verhalten leicht übersehen werden. Erfahren Sie, welche Symptome auf Arthrose hinweisen können, wie die Erkrankung diagnostiziert und behandelt wird und welche Rolle eine objektive Ganganalyse bei der Verlaufskontrolle spielen kann.
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Was ist Arthrose beim Hund?
Arthrose beim Hund ist eine chronische, meist fortschreitende Erkrankung des gesamten Gelenks. Dabei verändern sich nicht nur der Gelenkknorpel, sondern auch Knochen, Gelenkkapsel und weitere Strukturen. Entzündliche Prozesse können ebenfalls eine Rolle spielen. Häufig entsteht Arthrose infolge anderer Gelenkerkrankungen, beispielsweise einer Hüftdysplasie, Ellbogendysplasie oder eines Kreuzbandrisses. Die Erkrankung ist nicht heilbar, lässt sich jedoch durch eine individuell abgestimmte Kombination aus Gewichtskontrolle, Bewegung, Physiotherapie und Schmerztherapie häufig gut behandeln.
Auf einen Blick:
- Häufigkeit: In einer britischen Studie mit über 455’000 Hunden lag die geschätzte jährliche Prävalenz dokumentierter Arthrosediagnosen bei 2,5 % (Anderson et al., 2018).
- Erste Anzeichen: Steifheit nach Ruhephasen, veränderte Bewegungsabläufe oder nachlassende Aktivität
- Diagnose: Tierärztliche Untersuchung, bei Bedarf ergänzt durch bildgebende Verfahren
- Behandlung: Kombination aus Gewichtsmanagement, angepasster Bewegung, Physiotherapie und Schmerztherapie
Im Detail
Woran erkenne ich Arthrose beim Hund?
Arthrose entwickelt sich häufig schleichend. Nicht jeder Hund zeigt eine deutliche Lahmheit. Stattdessen können Veränderungen im Bewegungsverhalten, in der Aktivität oder im Alltag erste Hinweise auf Beschwerden sein.
- steife erste Schritte nach dem Liegen, die sich einlaufen
- weniger Lust auf Treppen, Springen und lange Spaziergänge
- der Hund leckt oder knabbert an einem Gelenk
- er steht langsamer auf und legt sich vorsichtiger hin
- verändertes Verhalten: ruhiger, zurückgezogener oder gereizter als gewöhnlich
Diese Anzeichen sind nicht spezifisch für Arthrose und können auch bei anderen Erkrankungen auftreten. Besonders wenn ein Hund wiederholt steif aufsteht, Bewegungen vermeidet oder sein Verhalten verändert, ist eine tierärztliche Abklärung sinnvoll.
Wie entsteht Arthrose beim Hund?
Arthrose entsteht durch ein Zusammenspiel verschiedener Veränderungen innerhalb des Gelenks. Dazu gehören der Abbau von Gelenkknorpel, Umbauprozesse am Knochen und entzündliche Reaktionen. Häufig entwickelt sich Arthrose als Folge einer bereits bestehenden Gelenkerkrankung oder Verletzung, beispielsweise bei Hüftdysplasie, Ellbogendysplasie oder nach einem Kreuzbandriss.
Auch Übergewicht, genetische Veranlagung und das Alter können die Entstehung beziehungsweise das Fortschreiten beeinflussen. Arthrose betrifft deshalb nicht ausschliesslich ältere Hunde. Bei bestimmten orthopädischen Erkrankungen können bereits junge Hunde Veränderungen der Gelenke entwickeln.
Wie wird Arthrose beim Hund diagnostiziert?
Die Diagnose einer Arthrose erfolgt durch eine tierärztliche Untersuchung, bei der unter anderem das Gangbild, die Beweglichkeit der Gelenke und mögliche Schmerzreaktionen beurteilt werden. Ergänzend können Röntgenaufnahmen eingesetzt werden, um knöcherne Veränderungen wie Gelenkzubildungen oder Umbauprozesse sichtbar zu machen. Allerdings stimmen das Ausmass der Veränderungen auf Röntgenbildern und die tatsächlichen Beschwerden eines Hundes nicht immer überein. Ein Hund kann deutliche radiologische Veränderungen aufweisen und dennoch vergleichsweise wenige Symptome zeigen oder umgekehrt. Deshalb ist es wichtig, neben der Bildgebung auch die klinischen Beschwerden und das Bewegungsverhalten zu berücksichtigen.
Wie wird Arthrose beim Hund behandelt?
Da Arthrose eine chronische Erkrankung ist, besteht die Behandlung in der Regel aus mehreren aufeinander abgestimmten Massnahmen. Ziel ist es, Schmerzen zu reduzieren, die Beweglichkeit zu erhalten und die Lebensqualität des Hundes möglichst langfristig zu unterstützen.
- Gewichtsmanagement: Bei übergewichtigen Hunden kann eine Gewichtsreduktion die Gelenke entlasten und Beschwerden verringern
- Angepasste Bewegung: Regelmässige, kontrollierte Aktivität unterstützt die Beweglichkeit und den Erhalt der Muskulatur. Umfang und Intensität sollten an den Hund angepasst werden
- Physiotherapie: Gezielte Übungen können helfen, Beweglichkeit, Muskelkraft und Koordination zu verbessern
- Schmerztherapie: Tierärztlich verordnete Medikamente können Schmerzen und entzündliche Beschwerden reduzieren
- Anpassungen im Alltag: Rutschfeste Böden, geeignete Einstiegshilfen und ein gut erreichbarer Liegeplatz können den Alltag erleichtern
Welche Massnahmen sinnvoll sind, hängt unter anderem vom betroffenen Gelenk, dem Schweregrad der Erkrankung und den individuellen Bedürfnissen des Hundes ab. Der Behandlungsplan sollte deshalb regelmässig tierärztlich überprüft werden.
Wie kann eine Ganganalyse die Behandlung von Arthrose begleiten?
Bei Hunden mit Arthrose können sich Bewegungsabläufe schleichend verändern. Da sich Hundebesitzer an diese Veränderungen gewöhnen und nicht jede Einschränkung als deutliche Lahmheit erkennbar ist, kann eine objektive Ganganalyse die klinische Beurteilung sinnvoll ergänzen. Mit einem IMU-basierten System wie LupoGait lassen sich beispielsweise zeitliche Gangparameter, Asymmetrien zwischen den Gliedmassen und (abhängig von der Sensorkonfiguration) Gelenkbewegungen erfassen. Wiederholte Messungen ermöglichen es, Veränderungen des Gangbildes über einen längeren Zeitraum zu dokumentieren und mit früheren Ergebnissen zu vergleichen. Diese Informationen können Tierärztinnen, Tierärzte und Physiotherapeuten bei der Verlaufskontrolle unterstützen. Ob eine Behandlung ausreichend wirkt oder angepasst werden sollte, muss jedoch immer anhand des gesamten klinischen Befundes beurteilt werden. Eine Ganganalyse allein erlaubt keine direkte Aussage über Schmerzen oder die Wirksamkeit einzelner Medikamente.
Quellen
Anderson KL, O’Neill DG, Brodbelt DC et al. (2018). Prevalence, duration and risk factors for appendicular osteoarthritis in a UK dog population under primary veterinary care. Scientific Reports, 8, 5641.
DOI: 10.1038/s41598-018-23940-z
Cachon T, Frykman O, Innes JF et al. (2023). COAST Development Group’s international consensus guidelines for the treatment of canine osteoarthritis. Frontiers in Veterinary Science, 10, 1137888.
DOI: 10.3389/fvets.2023.1137888
Monteiro BP, Lascelles BDX, Murrell J et al. (2023). 2022 WSAVA guidelines for the recognition, assessment and treatment of pain. Journal of Small Animal Practice, 64, 177–254.
DOI: 10.1111/jsap.13566
Duerr FM, Pauls A, Kawcak C et al. (2017). Evaluation of inertial measurement units as a novel method for kinematic gait evaluation in dogs. Veterinary and Comparative Orthopaedics and Traumatology.
DOI: 10.3415/VCOT-16-01-0012
Häufige Fragen
Nein. Arthrose ist eine chronische Gelenkerkrankung, die sich nicht vollständig rückgängig machen lässt. Mit einer individuell abgestimmten Behandlung können Beschwerden jedoch häufig reduziert und Beweglichkeit sowie Lebensqualität über längere Zeit erhalten werden.
Eine dauerhafte Schonung ist bei Arthrose in der Regel nicht sinnvoll. Regelmässige, angepasste Bewegung hilft, Muskulatur und Gelenkbeweglichkeit zu erhalten. Übermässige oder unkontrollierte Belastungen sollten vermieden werden. Art und Umfang der Bewegung sollten sich nach dem individuellen Zustand des Hundes richten.
Arthrose ist eine chronische Erkrankung des gesamten Gelenks, bei der unter anderem Knorpelabbau und Knochenveränderungen auftreten. Arthritis bezeichnet eine Gelenkentzündung, die unterschiedliche Ursachen haben kann. Allerdings können auch bei Arthrose entzündliche Prozesse beteiligt sein. Im Englischen wird Arthrose häufig als „osteoarthritis“ bezeichnet.
Eine Ganganalyse kann Veränderungen des Bewegungsablaufs erfassen, die bei Hunden mit Arthrose auftreten können. Sie kann jedoch weder die Erkrankung sicher diagnostizieren noch Schmerzen direkt messen. Die Ergebnisse können die tierärztliche Untersuchung und die langfristige Verlaufskontrolle ergänzen.
Arthrose begleiten. Bewegungsveränderungen objektiv erfassen.
Arthrose kann das Bewegungsverhalten eines Hundes über einen längeren Zeitraum verändern. Eine frühzeitige tierärztliche Abklärung und ein individuell abgestimmter Behandlungsplan sind wichtig, um Beschwerden zu lindern und die Beweglichkeit zu erhalten. Ergänzend kann eine objektive Ganganalyse helfen, Veränderungen des Gangbildes zu dokumentieren und den Verlauf der Behandlung über mehrere Messzeitpunkte nachvollziehbar zu machen.