Akademie · Krankheitsbilder
Cauda equina Syndrom beim Hund: Symptome, Diagnose und Therapie
Rückenschmerzen, Schwierigkeiten beim Aufstehen oder Zögern beim Springen können erste Anzeichen eines Cauda equina Syndroms sein. Die Ursache liegt häufig in einer Einengung der Nervenwurzeln am Übergang zwischen Lendenwirbelsäule und Kreuzbein.
Mehr erfahren
Was ist das Cauda equina Syndrom (CES) beim Hund?
Beim Cauda equina Syndrom werden Nervenwurzeln im unteren Bereich der Wirbelsäule beeinträchtigt. Diese Nerven versorgen unter anderem Teile der Hintergliedmassen, die Schwanzregion sowie Strukturen, die an der Kontrolle von Blase und Darm beteiligt sind. Eine häufige Ursache ist die degenerative lumbosakrale Stenose (DLSS). Dabei führen Veränderungen an Bandscheiben, Wirbelgelenken und Bändern zu einer Einengung im Übergangsbereich zwischen Lendenwirbelsäule und Kreuzbein. Betroffene Hunde zeigen häufig Schmerzen im unteren Rücken, Schwierigkeiten beim Springen oder Veränderungen des Gangbildes. Bei fortgeschrittenen Erkrankungen können zusätzlich neurologische Ausfälle auftreten. Besonders betroffen sind mittelgrosse bis grosse Hunderassen, darunter Deutsche Schäferhunde und sportlich aktive Arbeitshunde.
Auf einen Blick:
- Was: Beeinträchtigung der Nervenwurzeln im unteren Wirbelsäulenbereich, häufig infolge einer degenerativen lumbosakralen Stenose (DLSS).
- Betroffen: meist mittelgrosse bis grosse Hunde mittleren Alters, oft Deutsche Schäferhunde und Arbeitshunde
- Typisch: Kreuzschmerz, Zögern beim Springen und Treppensteigen, Steifheit, zeitweise Lahmheit hinten
- Diagnose: klinische und neurologische Untersuchung, CT oder MRT
- Behandlung: zuerst meist konservativ, bei Bedarf Operation
Im Detail
Was passiert im Rücken?
Am Übergang von der Lendenwirbelsäule zum Kreuzbein verlaufen die Nervenwurzeln der Cauda equina. Degenerative Veränderungen an Bandscheibe, Bändern und Gelenken können diesen Raum einengen (Meij und Bergknut 2010).
Welche Hunde sind betroffen?
Meist mittelgrosse bis grosse Rassen. Deutsche Schäferhunde und Arbeitshunde gelten als prädisponiert, Rüden sind häufiger betroffen. Bei der Diagnose waren die Hunde in den grössten Studien im Mittel etwa fünfeinhalb Jahre alt (Worth et al. 2019).
Woran erkenne ich ein Cauda equina Syndrom beim Hund?
Oft verläuft es als Kreuzschmerz-Syndrom, neurologische Ausfälle sind seltener (Worth et al. 2019).
- Zögern beim Springen ins Auto oder auf das Sofa
- Steifheit nach Belastung, Mühe auf Treppen
- zeitweise Lahmheit der Hinterhand
- Schmerz bei Druck auf den unteren Rücken oder beim Strecken der Hüfte
- seltener neurologische Ausfälle wie Schwäche oder schleifende Krallen
Wie wird das Cauda-equina-Syndrom diagnostiziert?
Die Diagnose beginnt mit einer ausführlichen orthopädischen und neurologischen Untersuchung. Dabei werden unter anderem die Beweglichkeit der Hintergliedmassen, neurologische Funktionen und mögliche Schmerzreaktionen im lumbosakralen Bereich beurteilt. Zur weiterführenden Abklärung können bildgebende Verfahren wie Magnetresonanztomografie (MRT) oder Computertomografie (CT) eingesetzt werden. Sie ermöglichen es, Veränderungen an Bandscheiben, Wirbelgelenken und knöchernen Strukturen sowie mögliche Einengungen der Nervenwurzeln darzustellen. Da bildgebende Veränderungen nicht immer mit der Ausprägung der klinischen Beschwerden übereinstimmen, müssen die Ergebnisse gemeinsam mit dem Untersuchungsbefund interpretiert werden. Eine objektive Ganganalyse kann ergänzende Informationen über das Bewegungsmuster liefern, die Erkrankung jedoch nicht eigenständig diagnostizieren.

Wie wird das Cauda equina Syndrom behandelt?
Die Behandlung des Cauda equina Syndroms richtet sich nach der Schwere der Beschwerden und den neurologischen Befunden. Bei Hunden ohne schwerwiegende neurologische Ausfälle wird häufig zunächst eine konservative Therapie versucht. Dazu gehören eine angepasste körperliche Belastung, eine medikamentöse Schmerztherapie und gegebenenfalls eine gezielte physiotherapeutische Begleitung mit Kräftigung der Rumpfmuskulatur (Worth et al. 2019; De Decker et al. 2014). Bleibt eine ausreichende Besserung aus oder liegen ausgeprägte beziehungsweise fortschreitende neurologische Defizite vor, kann eine operative Behandlung infrage kommen, beispielsweise eine dorsale Dekompression. Auch bei sportlich aktiven Hunden und Arbeitshunden kann eine chirurgische Behandlung individuell erwogen werden (Worth et al. 2019).
Welche Rolle spielt die objektive Ganganalyse beim Cauda equina Syndrom?
Bei Hunden mit degenerativer lumbosakraler Stenose können Schmerzen und neurologische Beeinträchtigungen zu Veränderungen des Bewegungsmusters führen. Diese sind bei einer kurzen klinischen Untersuchung nicht immer eindeutig erkennbar. Eine objektive Ganganalyse kann ergänzend eingesetzt werden, um ausgewählte zeitliche und kinematische Bewegungsparameter zu dokumentieren. Dazu gehören beispielsweise Stand- und Schwungphasendauer, Bewegungsasymmetrien sowie Veränderungen der Gliedmassenbewegung. Das 12-Sensoren-System LupoGait erweitert die Bewegungsanalyse um zusätzliche Körpersegmente. Dadurch können weitere Informationen über Bewegungsmuster der Hintergliedmassen und der lumbosakralen Region gewonnen werden. Besonders bei wiederholten Messungen unter vergleichbaren Bedingungen lassen sich funktionelle Veränderungen während einer konservativen Behandlung oder nach einem chirurgischen Eingriff dokumentieren. Eine Untersuchung von van Klaveren et al. (2005) zeigte mithilfe einer Kraftmessplatte Veränderungen der Bodenreaktionskräfte bei Hunden mit degenerativer lumbosakraler Stenose vor und nach einer Operation.
Die Ganganalyse ergänzt die orthopädische und neurologische Untersuchung, ersetzt jedoch weder die klinische Diagnostik noch die Bildgebung.
Worth A, Meij B, Jeffery N (2019). Canine degenerative lumbosacral stenosis: prevalence, impact and management strategies. Veterinary Medicine: Research and Reports 10:169–183. doi:10.2147/VMRR.S180448
Meij BP, Bergknut N (2010). Degenerative lumbosacral stenosis in dogs. Veterinary Clinics of North America: Small Animal Practice 40(5):983–1009. doi:10.1016/j.cvsm.2010.05.006
De Decker S, Wawrzenski LA, Volk HA (2014). Clinical signs and outcome of dogs treated medically for degenerative lumbosacral stenosis: 98 cases (2004–2012). Journal of the American Veterinary Medical Association 245(4):408–413. doi:10.2460/javma.245.4.408
van Klaveren NJ, Suwankong N, De Boer S, van den Brom WE, Voorhout G, Hazewinkel HAW, Meij BP (2005). Force plate analysis before and after dorsal decompression for treatment of degenerative lumbosacral stenosis in dogs. Veterinary Surgery 34(5):450–456. doi:10.1111/j.1532-950X.2005.00068.x
Häufige Fragen
Plötzliche Lähmung, starke Schmerzen oder Probleme beim Harn- oder Kotabsatz sofort abklären lassen. Sonst zeitnah tierärztlich untersuchen.
Nein. Die Diagnose braucht die neurologische Untersuchung und Bildgebung. Die Messung dokumentiert die Bewegung und den Verlauf.
Durch die orthopädische und neurologische Untersuchung und durch Bildgebung. Beides kann gleichzeitig vorliegen.
Bewegungsveränderungen erkennen. Therapieverläufe dokumentieren.
Das Cauda-equina-Syndrom kann die Beweglichkeit und Koordination eines Hundes beeinträchtigen. Ergänzend zur klinischen Untersuchung kann eine objektive Ganganalyse helfen, ausgewählte Bewegungsparameter zu erfassen und Veränderungen während der Behandlung oder Rehabilitation nachzuvollziehen.